In dem landwirtschaftlich geprägten Dorf Nauheim gibt es bis 1593 keine Schule. Am 1.10.1593 beginnt Pfarrer Johannes Beull mit dem Schulehalten im Pfarrhaus. In der Nauheimer Chronik I ist vermerkt, dass die Obere Pforte nach einem Umbau als Schulraum genutzt worden sein soll. Einen Schulmeister will sich die Gemeinde nicht halten. Diese Aufgabe wird dem Glöckner mit übertragen und dafür erhält er fünf Gulden pro Jahr. Nauheim ist somit der einzige Ort im Bezirk Kelsterbach, der das Amt des Glöckners mit dem des Schulmeisters vereint. Es werden immer wieder Verhandlungen geführt, um eine Schule mit Schulmeister einzurichten. Erst 1630 gibt es einen eigenständigen Lehrer, dessen Name jedoch nicht mehr bekannt ist. Als im Jahre 1767 in der Nauheimer Kirche erstmalig eine Orgel aufgestellt wird, verbindet man die Orgelstelle mit der Schulstelle. Bei der Teilung der Schule im Jahre 1837 wird das Amt des Glöckners, des Kantors und des Organisten der ersten Schule zugewiesen. Nach Errichtung des Rathauses im Jahre 1755 findet dort der Schulunterricht statt.


Das Rathaus von 1755 als Verwaltungs- und Schulgebäude

Der Nauheimer Schulmeister bezieht Ende des 18. Jahrhunderts ein jährliches Gehalt von 142 Gulden und 45 Kreuzer. Zur selben Zeit besuchen 80 Kinder die Schule und die Gemeinde hat um die 490 Einwohner. Die Pfarrei unter Pfarrer und Inspektor Göbel unterhält eine Schulbibliothek, deren Gründung bereits 1781 ins Auge gefasst und unbestreitbar die älteste Schulbibliothek Hessens ist. Später werden solche Bibliotheken in allen Pfarreien in Starkenburg zur Pflicht gemacht.

1839 wird das erste Schulhaus in der Schulstraße 4 gebaut. Für eine dritte Schulklasse wird ein weiteres Gebäude in der Schulstraße 6 errichtet, wobei das benötigte Gelände in einem Enteignungsverfahren der Gemeinde zugesprochen wird. Die Gemeinde unterhält eine „Einfache Volksschule“ mit zwei Klassen, von denen jede zwei Abteilungen führt. Den Unterricht erteilen zwei ausgebildete Lehrer. 1878 wird die Schule dreiklassig geführt. 1883 werden 232 Schüler von drei Lehrern in drei Schulsälen und zwei Schulhäusern unterrichtet. Aber wiederum wird der Raum für Unterrichtung und Lehrerwohnung knapp. Deshalb wird schon 1896 Abhilfe gesucht, aber langwierige Querelen verschleppen einen weiteren Neubau bis zum Jahre 1909, ehe das dritte Schulhaus in der Schulstraße 8 bezogen werden kann.


Das ehemalige Schulhaus, Schulstraße 6 und heutige Heimatmuseum

An der Nauheimer Schule verdient im Jahre 1922 ein Lehrer 27.000 Mark. Inzwischen gibt es sechs Lehrerstellen. Aus der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs sind wenig Überlieferungen zum Schulwesen bekannt. Am 1.10.1945 wird wieder Unterricht in einem Schulraum durchgeführt. Im Jahre 1947 berichtet der kommissarische Schulleiter Johannes Merle, dass die Volksschule von 411 Kindern besucht wird bei 3290 Einwohnern. Durch den Zuzug von Neubürgern hat sich die Schülerzahl um ein Siebtel erhöht. Von den sechs Schulsälen werden fünf benutzt. Für die Heimatvertriebenen werden Kellerräume zur Verfügung gestellt. Für den Unterricht stehen ein hauptamtlicher Lehrer und vier Schulhelfer zur Verfügung. Das bedeutet, dass die Klassenstärke übermäßig hoch ist.


Das 1909 erbaute und 1951 erweiterte Schulhaus in der Schulstraße 8

Für 11 Klassen sind nur sechs Schulsäle verfügbar. Man behilft sich mit Schichtunterricht. Angesichts dieser Situation beschließt die Gemeindevertretung am 24.3.1950 die bauliche Erweiterung des Schulhauses. Es sollen 4 Schulsäle, verschiedene Lehrmittelräume und ein Schulbad im Keller errichtet werdern. Der korrigierte Kostenvoranschlag nennt 143.000 DM. Im Beisein von Landrat Jean Hardt und Schulrat Hans Schwedes erfolgt am 27.10.1951 die feierliche Einweihung. Bürgermeister Georg Schad überreicht an der Spitze der Gemeindevertretung an Schulleiterin Frau Korndörfer die Schlüssel.

Das „Volksbad" im Keller bestand aus Wannen- und Brausebädern, getrennt nach Geschlechtern und wurde bis in den Anfang der 70er Jahre von der Bevölkerung rege genutzt.

Im Schuljahr 1955/56 besuchen 433 Kinder die Nauheimer Volksschule, in der sie von neun Lehrkräften unterrichtet werden. 47 Schüler gehen in auswärtige Mittelschulzüge. Schon im Schuljahr 1958/59 steigt die Schülerzahl auf 460 Kinder in 13 Klassen an, von ebenso vielen Lehrern unterrichtet, für deren Unterricht nicht mehr als neun Klassenräume vorhanden sind. Und dies bedeutet immer noch Schichtunterricht. Deshalb wird ein weiterer Ausbau angestrebt.

Mit dem Bau wird am 15.5.1961 begonnen. Schon am 11.1.1962 wird Richtfest gefeiert und am 24.8.1963 das Schulhaus in Betrieb genommen. Die Gesamtbaumaßnahme, einschließlich der Turnhalle, wird mit einem Gesamtaufwand von 1.838.000 DM durchgezogen. Rektor Machenheimer konnte das neue Schulgebäude bei einem Festakt übernehmen.


Das 1963 in Betrieb genommene Schulhaus in der Schulstraße 10

1967 stimmte der Regierungspräsident in Darmstadt der zweckentfremdeten Verwendung eines Schulsaales im Schulhaus der Schulstraße 6 als Gemeindekrankenstation zu. Und wieder einmal herrscht Schulraummangel und der Kreis als neuer Schulträger stellt Räume 1974 in Leichtbauweise auf.

Am 30.8.1974 erhält die Grund- und Hauptschule Nauheim ein 9. Schuljahr. Aufgrund des steten Anwachsens der Einwohnerzahl und mithin der Schüler, wird mit der Schillerschule in Groß-Gerau kooperiert. Letztendlich wird der Status der Nauheimer Schule ab Schuljahr 1976/77 als Grundschule weitergeführt.

Ein neues Konzept sieht vor, dass der Einzugsbereich der Gerhart-Hauptmann-Schule (GHS) in Rüsselsheim-Königstädten, die zu einer achtzügigen Integrierten Gesamtschule (IGS) erweitert werden soll, den Stadtteil Königstädten und Nauheim umfassen soll. Damit sollen alle Grundschulabgänger aus Nauheim ab dem Schuljahr 1975/76 in die Förderstufe der GHS gehen. Dies macht eine Vereinbarung möglich, in der die Kostenträgerschaft geregelt wird. Der Kreis Groß-Gerau zahlt an die Stadt Rüsselsheim 750 DM für jeden Nauheimer Schüler, der dann auf jede weiterführende Schule der Stadt gehen kann. Wegen der Nauheimer Schüler muss die GHS um neun Gruppenräume und vier Lehrerstützpunkte vergrößert werden, was 880 m² Nutzfläche entspricht und mit 1,9 Mio. DM veranschlagt wird. Diese Kosten teilen sich die beiden Schulträger Kreis und Stadt. Das Land bewilligt dafür ein Darlehen in Höhe von 1,6 Mio. DM.

Bis 1951 nimmt die Schulleitung in Nauheim Frau Margarethe Korndörfer wahr. Nach einer Ausschreibung der Stelle sprechen sich Gemeindevertretung, Ortsschulkonferenz undSchulrat für Lehrer Fritz Machenheimer aus, der schon seit 1938 an der Nauheimer Schule unterrichtet. Nach seiner Pensionierung 1967 und entsprechendem Verfahren, ernennt die Hessische Landesregierung den Lehrer Gerhard Thurn 1968 zum Nachfolger. Die Konrektorstelle nimmt ab 1963 der Lehrer Lutz Reichert wahr. Der RP-Darmstadt beauftragt 1972 die Lehrerin Frau Ilse Abel mit der Wahrnehmung der Aufgaben einer zweiten Konrektorin. Von 1990 an ist Klaus Meyers erst Konrektor bis er dann von 1993 bis 2008 als Rektor an der Grundschule tätig ist, Johanna Wienen als Konrektorin. Danach übernimmt Frau Andrea Kühnl dieses Amt bis jetzt, Stellvertreterin ist Frau Jessica Simon.

Im Oktober 1993, anlässlich der 400-Jahr-Feier der Nauheimer Schule, wird der „Verein der Freunde und Förderer der Grundschule Nauheim“ gegründet. Die ersten Kontaktpersonen sind R.-D. Rolshausen und Beate Betzler-Will. Das Jubiläum wird groß gefeiert in der Georg-Schad-Halle und für alle Schulkinder gibt es eine Fahrt in den Luisenpark in Mannheim. In einer Festschrift ist die schulische Nauheimer Geschichte anschaulich aufbereitet.

Die Grundschule Nauheim ist z. Zt. (Sept. 2018) eine vierzügige Schule (je Jahrgangsstufe vier Klassen) mit einer Vorklasse. Sie wird von 375 Kindern besucht, die von 18 Lehrkräften und einer Lehrerin im Vorbereitungsdienst unterrichtet werden. Neben den Klasstenstufen 1 - 4, einer Vorklasse gibt es noch eine Intensivklasse, für Kinder mit wenig Deutschkenntnissen.


Die neu errichtete Schulturnhalle 2003

In den Jahren 2002 – 2006 werden durch Sanierungen und kleine Erweiterungen das Aussehen der Schulgebäude immer wieder verändert. Auch die Schulturnhalle wird neu errichtet. Im Laufe der Jahrzehnte erfährt die Nutzung laufend Änderungen. Das erste Schulgebäude, Schulstraße 4, wird 1984 abgerissen, das Haus Nr. 6 wird 1966 zum Kindergarten umfunktioniert, bis der Kindergarten „Schwanenstraße“ 1986 im neuen Wohngebiet „Im Teich“ fertiggestellt ist. 1987 bezieht dann das Heimatmuseum die Räume im Erdgeschoss und teilweise im ersten Stock.

Eine wichtige Aufgabe wird von der Gemeinde, die nicht Schulträger ist, im Jahre 1989 übernommen: die Schulkindbetreuung. In der unterrichtsfreien Zeit werden Schulkinder im Hort des Kindergartens „Schillerstraße“, im Kinder- und Jugendbahnhof „X-Presso“ und in Räumen der Schule von Kräften der Gemeinde betreut. Im Herbst 2018 ist diese Zahl auf 135 Grundschulkinder angewachsen. Zu diesem Zeitpunkt ist das bereits einige Jahre schwelende Thema Ganztagsschule soweit gediehen, dass die Bauphase beginnen kann. Zu Beginn des Schuljahres 2018/19 wird das jüngste Schulgebäude, Schulstraße 10, abgerissen und ein neues Gebäude mit Mensa und Aula für rund 14 Mio. Euro bis 2020 für 400 Schüler errichtet. Es steht fest, dass es eine fünfzügige Schule werde, also bis zu fünf Klassen pro Klassenstufe. Die Zusammenlegung von Gemeinde- und Schulbibliothek werde angestrebt. Die Gemeinde beteiligt sich mit über einer Million Euro an den Baukosten (Lärmschutzmaßnahmen). Der Schulunterricht wird vorübergehend in Containern durchgeführt.


Grundschule Nauheim wird zu einer Ganztagesschule mit Mensa umgebaut. Kostenvolumen ca. 14 Mio. €. Beginn im Sommer 2018.
Nur die Mauer im Vordergrund bleibt stehen.


Das Nauheimer Schulgelände im Frühjahr 2018 mit den Schul- und Nebengebäuden der Hausnummern Schulstraße 4 - 10


Quellen: Festschrift "400 Jahre Schule in Nauheim",  Schulen im Kreis Groß-Gerau, Autor: Dr. Franz Skala


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