Zur Zeit der Reformation stand vor Nauheim eine Kapelle. Sie wurde die Jakobs-Kapelle genannt und war die Kirche vor dem Ort. Der Patronatsherr war Hagen-Münzenberg und seine Nachfolger. Sie war Jakob, dem Apostel geweiht, und nicht vor 1300 erbaut. Sie lag auf einem 8 m hohen Hügel, der in der Richtung von Osten nach Westen einen Durchmesser von ungefähr 50 m hatte. Dieser Hügel, eine Sanddüne, wurde der Totenhügel genannt. Hier wurden seit ältester Zeit die Toten beerdigt. Die Kapelle wurde später die Nauheimer Kirche.

JakobskapelleIn der Reformationszeit und danach stellte sich sehr bald heraus, daß der Besuch der Kirche in Trebur für die Nauheimer lästig und die Jakobs-Kapelle für örtliche Verhältnisse längst zu klein war. 1686 wollten die Nauheimer eine neue Kirche bauen; man wandte sich deshalb an die Landgräfin Elisabeth Dorothea. Die französischen Kriegsnöte verhinderten die Ausführung der Pläne. 40 Jahre später wurde der Plan wieder aufgegriffen. Pfarrer Schreiber erreichte es, daß die Verhandlungen wegen Erwerbs eines Bauplatzes für diese neu zu erbauende Kirche eingeleitet wurden, aber einfallende Kriegsnot machte die Ausführung des Planes wieder unmöglich. Erst 1753 konnte das Projekt erstellt und am 1. Weihnachtstag 1753 die neue Kirche im Ort eingeweiht werden. Ihrer Erbauung lag der Plan der Ginsheimer Kirche zugrunde. Sie war ein Werk des Superintendenten Johann-Konrad Lichenberg und wurde von Baudirektor Müller den Nauheimer Platzverhältnissen angepaßt. Diese Kirche steht mitten im Ort. Sie ist umgeben von Häusern und dem alten Rathaus.Evang. Kirche

Sie bildet ein Rechteck mit der Längsseite nach der Vorderstraße, mit der Stirnseite und dem Haupteingang nach der Rathausstraße, jetzt Heinrich-Kaul-Platz. Die Kirche selbst ist längsgerichtet und hat eine um die ganze Kirche laufende Empore. Sie besitzt zwei Eingänge und hat acht große Fenster. Der Turm, der wie ein Drahtdachreiter aufsitzt, hat an der Vorderfront ein Fenster. Die Kirche liegt in einer etwas abweichenden Nord-Süd-Richtung.

1767 kam in die Kirche die neue Orgel. Sie wurde vom Orgelmacher Anton Onimus aus Mainz gebaut. Die jetzige Förster und Nicolaus-Orgel wurde Ende 1924 eingebaut. 1958 wurde Voix céleste 8´ durch Quinte 2 2/3´ ersetzt. Im Jahre 2006 erfolgte eine Renovierung, bei der Aeoline 8´ schwebend zu Salicional 8´ gestimmt wurde. Weitere Daten zur Orgel siehe Bild und Tonbeispiel.

Was die Kirchenglocken betrifft, so ist zu vermerken, dass, nachdem die alte Glocke zersprungen war, im Jahre 1817 eine neue angeschafft und am 24.5.1817 auf den Turm gebracht wurde. Sie wog 325 Pfund. Die Inschrift auf der einen Seite lautete: ,,Es goß mich Johann Zechbauer in Mainz für die Gemeinde Nauheim im Jahre 1817", auf der anderen Seite heißt es: ,,Meinem Dorf bringe ich Freude, Friede und Einigkeit sei mein erstes Geläute."

Am 10.2.1884 wurden die drei von hiesiger bürgerlicher Gemeinde angekauften Glocken von Pfarrer Kalpen aus Trebur eingeweiht. Am 15.10.1917, während des 1. Weltkrieges, kamen hiervon zwei Glocken zur Ablieferung, nachdem die Orgelpfeifen im Mai 1917 des Zinnes wegen schon abgeliefert waren. 1924 wurde aufgrund eines Vertrages der bürgerlichen Gemeinde Nauheim mit einer Firma in Frankental, die auch die alten Glocken gegossen hatte, drei neue Glocken angeschafft. Die dritte 1917 verbliebene Glocke war abgenommen und umgegossen worden. Von diesen drei Glocken hieß die erste ,,die Lutherglocke".

Ihre Inschrift lautete: ,,Eine feste Burg ist unser Gott". Die zweite Glocke war ,,die Gedächtnisglocke" und wurde zum Andenken für die im Weltkrieg Gefallenen aus der Gemeinde Nauheim gestiftet. Sie trug die Inschrift: ,,Für die im Weltkrieg 1914 bis 18 gefallenen Mitglieder der Gemeinde. Sei getreu bis an den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben." Die dritte Glocke, ,,Die Arbeitsglocke", ruft zur Schule, zur Arbeit, zur Ruhe und trägt die Worte: ,,Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis." Am 1.6. 1924 wurden die drei Glocken durch die Dorfstraßen gefahren. Beigeordneter Einsiedel übergab namens der bürgerlichen Gemeinde die Glocken der Kirchengemeinde, die durch Dekan Allwohn vertreten war. Am 1. Pfingstfeiertag fand der Weihegottesdienst statt.

Am 20.2.1942 wurden von diesen drei Glocken wieder zwei abgeliefert, nur die kleinste verblieb. Derzeit befinden sich drei Glocken in dem Dachreiter   bitte weiterlesen und Glockengeläut.

Wie schon erwähnt, der "Turm" ist ein Dachreiter, also ein Dachaufbau, ein auf dem Dachfirst aufsitzendes schlankes, oft hölzernes Türmchen, das häufig als Glockenstuhl dient. Im Gegensatz zum richtigen Turm besitzt der Dachreiter kein eigenes Fundament, sondern wird in Zimmermannsarbeit mittels Pfosten auf den Dachstuhl aufgesetzt.

Der Neubau der evangelischen Kirche im Ort im Jahre 1753 war selbstverständlich dann wiederum der Anfang vom Ende für die Kirche vor dem Dorf, der Jakobskapelle. Ihr Schicksal besiegelte sich im Jahre 1783, als man den Abbruch vollzog. 30 Jahre lang geschah an dem Bauwerk nichts und es verrottete langsam, aber sicher.

Es existieren jedoch noch Skizzen und Zeichnungen von dieser Kapelle vor dem Ort. Nachdem nun die Jakobs-Kapelle beseitigt war, verlor allmählich der Kirchhof auf dem Hügel für die Nauheimer seine Bedeutung. 1784 wurde der neue Friedhof an derselben Straße, der heutigen Bahnhofstraße, Richtung der ehemaligen Jakobs-Kapelle errichtet. Dieser Friedhof, der mit dem alten Totenhügel in Zusammenhang blieb, diente dann noch über 100 Jahre als Nauheimer Begräbnisstätte. Er wurde erst im Jahre 1891 geschlossen. Am 7.6. des gleichen Jahres wurde der Friedhof ,,An der Bell" eröffnet - an der heutigen Waldstraße auf dem "Feldchen". Der Friedhof wurde im Jahre 1927 geschlossen. Der neue Waldfriedhof aus dem Jahre 1928 dient auch noch heute den Nauheimern als Begräbnisstätte.

Kath. KircheMit dem Anwachsen der Bevölkerung, insbesondere auch den vielen Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland, wuchs die Anzahl der katholischen Gläubigen. War Nauheim bisher evangelischen Glaubensbekenntnisses, so kamen immer mehr Katholiken in diese Gemeinde und das Bedürfnis, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, wurde sehr schnell wach. Man tat sich zusammen, um dieses Vorhaben zu verwirklichen. Der Grundstein wurde am 2. Juni 1956 gelegt und bereits weniger als ein Jahr später, am 25. Mai 1957, konnte mit seiner Exzellenz, dem Bischof von Mainz, Dr. Albert Stohr, die Kirche eingeweiht werden. Unter großem Einsatz, d.h. mit vorbildlicher Eigenleistung, schafften es die Nauheimer Katholiken auf dem nach dem Krieg erworbenen Gelände ,,Unter der Muschel" ihr Gotteshaus für ihre Pfarrgemeinde zu errichten, das den Namen ,,St. Jakobus d. Ä." erhalten hat. Von der Gemeinde gab es für die Kirche einen Zuschuss von 5.000 DM, für die Anschaffung der Kirchenglocken 3.000 DM und für das katholische Jugendheim ebenfalls 3.000 DM. Am 14.7.1963 wurden drei in der Glockengießerei Schilling in Heidelberg hergestellten Glocken, geweiht. 1967 wurde eine Kleinorgel der Firma Walcker, Ludwigsburg, eingebaut, die 1973 durch eine größere, die jetzige Orgel mit sieben Registern für 54.000 DM, ersetzt wurde.  Im Frühjahr 1983 wurde mit dem Anbau des ersten Pfarrheimes begonnen, das ein halbes Jahr später eingeweiht werden konnte. Am 30.9.2001 wurde die vierte Glocke, die auch die größte Glocke in Nauheim ist, geweiht. Ein Beispiel des Kirchengeläuts hier anhören. Im Jahre 2003 wurde für fast eine Mio. DM ein modernes Pfarrzentrum als Um- und Neubau neben der Kirche fertig gestellt. Im Jahre 2015 wurde das Gotteshaus vollkommen renoviert und kurz vor Weihnachten wieder genutzt.

So zeigt sich Nauheim mit einer evangelischen und einer katholischen Kirche, verschiedenen Einrichtungen der beiden Konfessionen für ihre Gläubigen und einem idyllisch gelegenen Waldfriedhof mit seiner Friehofkapelle.

Im Jahre 1952 wurde die Trauerhalle erbaut. Die Einsegnungshalle wurde mit einer Lautsprecheranlage versehen, damit die Trauerfeiern auch ins Freie übertragen werden können. Eine Orgel war die nächste Anschaffung. 1964 wurden Kühlzellen angebaut und in den 70er Jahren erfolgte ein Umbau mit der Anbringung eines großen Holzkreuzes.

 


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