Denkmaltopografie von Nauheim

Historischer Ortskern von Nauheim  Teil II

Hintergasse - (alle Hausnummern), Vorderstrasse 1 - 15 und 2 – 34 

 

Hintergasse 1  Fl. 1

Fachwerkhaus   Flst. 313/1

Das Fachwerkhaus ist eines der ältesten erhaltenen Wohnhäuser der Gemeinde Nauheim. Es wurde im Jahre 1611 erbaut und gehört damit in die Renaissance. Es ist eines der wenigen Anwesen im Landkreis, die den für die Region sehr harten Dreißigjährigen Krieg überdauert haben. Unter dem Verputz des Erdgeschosses und der Verschindelung oben wird intaktes Fachwerk vermutet. Fassadenversprünge, hölzerne Fensterumrandungen und die Fensteranordnung lassen darauf schließen. Interessant ist der barocke Torpfosten.

 

Das Fachwerkhaus Hintergasse 2 wurde im Jahre 1776 erbaut und um 1900 um einen Anbau erweitert. Es diente vorübergehend auch der jüdischen Gemeinde als Bethaus. In diesem Haus lebte Ende des 19. Jahrhunderts die jüdische Familie Hugo und Johanna Neumann mit ihren Kindern Else Mayer und Kurt-Siegfried Neumann. Hugo Neumann betrieb ab 1907 ein anfangs sehr gut laufendes Manufakturwarengeschäft mit einem großen Warenlager. Im Laden arbeiteten neben seiner Frau Johanna auch deren Tochter aus erster Ehe, Else, und der Sohn Kurt-Siegfried.  Nach der Trennung der Nauheimer Juden von der Groß-Gerauer Gemeinde nutzen die jüdischen Gläubigen bis 1906 die Wohnstube im Haus Hintergasse 2 als Betraum. 1907 wurde der heute noch erkennbare Laden im Erdgeschoss des Hauses eingebaut. Die Jüdische Gemeinde zog daraufhin in das Haus Hintergasse 25 um.
Das Fachwerk des giebelständigen zweigeschossigen Hauses ist gut erhalten, mit einer Mannfigur im Obergeschoss und profilierten Schwellen. Das Satteldach hat Aufschieblinge und war im Original mit Biberschwanz gedeckt.
Zwischen dem Wohnhaus Hintergasse 2 und dem Rathaus stand wahrscheinlich schon vor dem Dreißigjährigen Krieg die Gemeindeschmiede

    Hintergasse 2                   Fl. 1            Flst. 61/1
    
Fachwerkhaus   

 

 

 

Hintergasse 5         Fl. 1

Hofanlage                 Flst. 309/1

 

Das Wohnhaus der Hofanlage wurde zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1620 erbaut. Es ist wahrscheinlich das zweitälteste erhaltene Haus Nauheims. Das Haus zeichnet sich durch ein besonders schönes malerisches Fachwerk aus, mit Mannfiguren, zahlreichen genasten und geschwungenen Streben und Kopfwinkelhölzern, Andreaskreuz und profilierten Schwellen. Der ste­hende Dachstuhl ist in der Giebelfassade ablesbar. Vor dem Haus erinnert ein Sandstein mit Markierung an das Hochwasser vorn 3. Januar 1883.

Wie die anderen Geäude auch, ist das Haus Kulturdenkmal aus baukünstlerischen Gründen.

 

 

Hintergasse 6         Fl. 1

Fachwerkhaus          Flst. 70/1

Unter der verschindelten Fassade des zweigeschossigen, giebelständigen Wohnhauses wird ungestörtes Fachwerk vermutet. Fassadensprünge, Fensteranordnung und die hölzernen Fensterumrandungen im Ober- und Giebelgeschoss lassen diesen Schluss zu. Das Haus stammt vermutlich - wie seine Nachbarn im alten Ortskern - aus der Barockzeit. Es steht auf einem massiven Erdgeschoss, das wahrscheinlich erst später die ursprüngliche Fachwerkkonstruktion ersetzt hat. Das Satteldach hat Aufschieblinge.

 

Hintergasse 9           Fl. 1
Fachwerkhaus          Flst. 306/1

Das traufständige, zweigeschossige Fachwerkhaus mit beidseitigem Krüppelwalm besteht allseitig aus Sichtfachwerk, stammt aus der Zeit um 1740 und wurde damals zusammen mit Stallungen errichtet. Im Ackerbuch der Gemeinde Nauheim ist das Anwesen bereits 1688 als unbebaute Hofreite aufgeführt. Das Grundstück befand sich damals im Besitz von Johannes Geyer, dem ersten namentlich bekannten Nauheimer Dorfschmied. Johannes Geyer wohnte im Nachbarhaus, der Hintergasse 7, seine Schmiede befand sich zwischen Rathaus und Hintergasse 2.
Gebäude ist Kulturdenkmal aus städebaulichen.Gründen als wichtige Position im Straßenraum, um die leichte Biegung der Hintergasse zu betonen.

 

Das zweigeschossige, auf der Ecke stehende Wohnhaus, zeichnet sich durch ein besonders schönes malerisches Fachwerk aus. Das Haus hat ein Krüppel- walmdach und stammt aus der Barockzeit. Im Gegensatz zu den Nachbarn hat es einen kleinen Vorgarten und steht nicht unmittelbar an der Straße. Die drei barocken Sandsteinpfosten des ursprünglichen Hoftores sind erhalten.  Im EG besteht der hintere Teil aus massivem Mauerwerk, ebenso der Anbau. Der Giebel weist zwei profilierte Schwellen,Schwalbenschwanzna sen mit Herzen, EckwinkeJbretter mit Herzen, sowie jeweils drei

Hintergasse 19         Fl. 1
Fachwerkhaus          Flst. 297/2

Mannfiguren im EG und OG auf. An der rechten Seite befindet sich ein Sandstein, der auf eine alte Toranlage hinweist. Die mit Kopfsteinpflaster ausgelegte Hofanlage besteht aus dem Wohnhaus und einen traufständigen Nebengebäude, An das sich ein giebelständiges Seitengebäude für die Heulagerung anschließt und der querstehende Scheune im hinteren Bereich. Der traufständige Stallbau an der Straße ist auf eine Sandsteinmauer aufgebaut. Die Scheune im hinteren Bereich wurde durch einen Neubau, in dem Wohnraum untergebracht ist, ersetzt.
 

Hintergasse 21     Fl. 1    Flst. 295/1

Hofreite

Für das Anwesen ist als erste Nennung im "Ackerbuch der Gemeinde Nauheim" das Jahr 1688 angegeben und es grenzt an den Dorfgraben und den Schwarzbach. Um 1679 und vielleicht auch mit dem Geld aus dem Verkauf der Mühle (Mühlstraaße), hat Michael Kaul das gesamte Gelände der heutigen Hofreiten 34 bis 38 erworben, in fünf, etwa gleich große Bauplätze aufgeteilt und an vier seiner Kinder übergeben. Sohn Johannes Kaul erhält den Bauplatz der
Hofreite 37 in der heutigen Hintergasse 21.

Der derzeitige Eigentümer hat das Anwesen von 1999-2001 denkmalgercht und modern restauriert und zu einem Schmuckstück ausgebaut — Die gesamte Hofanlage ist Kulturdenkmal aus bautypologischen und künstlerischen Gründen.

 

Hintergasse 25                Fl 1   Flst. 291  

ehemalige Synagoge

Das Wohnhaus, dessen erster Kauf für das Jahr 1782 belegt ist, gehörte um 1900 dem Nauheimer Vieh- und Getreidehändler Levi Haas. Nachdem die Gemeinde ihren Betraum im  Hause der Witwe Elias Marx in der Hintergasse 2 hatte aufgeben müssen, bot Levi Haas der israelitischen Gemeinde 1907 an, im ersten Stock seines Hauses einen Betsaal einzurichten, unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde den Umbau in Höhe von 225 Mark selbst finanzierte. Die ehemalige Synagoge ist heute wieder Wohnhaus.

 

Hintergasse 27         Fl. 1

Fachwerkhaus          Flst. 269/1

Zweigeschossiges, giebelständiges, dreizoniges Fachwerkgebäude mit Krüppelwalm, imVerbund mit einer Hofanlage. Es weist eine zweifache Auskragung, Andreaskreuze, zwei profilierte Schwellen, Mannfiguren, Eckwinkelhölzer und einen profilierten Stuhl in der Fachwerkornamentik auf. Teile des EG sind massiv. Ursprüngliche Ausbauelemente noch vorhanden.
Das Fachwerkhaus stammt aus der Zeit kurz nach 1715. Es wurde auf dem ehemaligen Dorfgraben gebaut, der ab 1715 Zug um Zug zugeschüttet wurde, Das Fachwerkgefüge zeigt Andreaskreuze, Mannfiguren profilierte Schwellen, das Haus hat ein biberschwanzgedecktes Krüppelwalmdach. Mit zum Anwesen gehören die erhaltenswerte Gartenanlage und die historische Einfriedung, - teils Mauer, teils Metallstabzaun - des Grundstückes, die möglicherweise zum Teil die alte Ortsgrenze markierte.

 

Vorderstraße 2         Fl. 2   

Fachwerkhaus          Flst. 180

 

Das Fachwerkhaus ist seit 1688 als Wohnhaus im Ackerbuch belegt, Hinweise auf größere bauliche Veränderungen an der Anlage finden sich in alten Aufzeichnungen nicht. Unter der verputzten Fassade wird intaktes Fachwerk vermutet, darauf lassen Fassadenunebenheiten und hölzerne Fensterumrandungen im Giebel und an der Hofseite schließen. Die heutige Fensteranordnung an der Giebelseite weist allerdings auf eine nachträgliche Veränderungen der Straßenfassade hin. Das Satteldach hat Aufschieblinge.

 

 

Vorderstraße 4    Fl. 2

Hofanlage              Flst. 159

Das Haus ist im Nauheimer Flurbuch des Jahres 1700 belegt, wird auch seit etwa 1700 bewohnt. Die Scheune der in sich noch geschlossenen Hofanlage brannte im Zweiten Weltkrieg ab und wurde anschließend wieder baulich ergänzt. Interessant ist das Wohnhaus: Unter der mit Hirschzungen-Schindeln verkleideten Fassade lässt sich intaktes Fachwerk vermuten, wobei die Erdgeschosszone baulich verändert wurde Noch original erhalten ist das Giebelfenster, das Satteldach hat typische Aufschieblinge.

 

Das Wohnhaus der noch ablesbaren Hofanlage wurde wahrscheinlich um 1740 erbaut. Es handelt sich um ein Fachwerkhaus mit verputztem Erdgeschoss, wobei die Fensteranordnung und die hölzernen Faschen auf intaktes Fachwerk unter dem Putz schließen lassen. Zum Fachwerkhaus mit Krüppelwalmdach und alter Biberschwanzdeckung gehören noch erhaltene Nebengebäude wie die kleine Scheune im Hof, ebenfalls eine mit Biberschwanzziegeln gedeckte Fachwerkkonstruktion.

Diese Hofanlage besteht aus dem giebelständigen Wohnhaus, der querstehenden Scheune und den seitlichen Nebengebäuden. Das Wohnhaus weist  im EG verputztes Fachwerk und im oberen Bereich mit einer Auskragung konstruktives Sichtfachwerk auf. Es besitzt einen kleinen Krüppelwalm. Das Fachwerk im Giebel hat ein kleingliedriges Erscheinungsbild. An das Wohnhaus ist im hinteren Bereich ein Anbau erfolgt. Die querstehende Scheune aus Sichtfachwerk weist ein aufgeschlepptes Pultdach über dem originalen Scheunentor auf. Das giebelständige Nebengebäude mit Satteldach besitzt im EG massives Mauerwerk und im OG Sichtfachwerk. Der Hof besitzt noch einen alten Sandbelag. Die Grundstücksbegrenzung ist eine alte Sandsteinmauer. Wohnhaus und Scheune sind Kulturdenkmal aus typologischen Gründen.

  Vorderstr. 7

 Fl. 1

Hofanlage

 Flst. 76/1

 

Vorderstraße 15      Fl. 1

Fachwerkhaus          Flst. 139/1

 

Stilistisch aus dem Rahmen seiner gebauten   Nachbarschaft fällt das auf der Ecke stehende Wohnhaus. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Haus mit wuchtigem, für die Barockzeit typischem Mansarddach. Das Haus stammt aus dem 18. Jahrhundert, ein ähnliches, saniertes, steht in der Waldstraße 12. Unter dem Verputz lässt sich intaktes Fachwerk vermuten. Darauf lassen Balkenköpfe, Fassadenunebenheiten und Fensterfaschen schließen. Interessant: die schlichten Klappläden mit barocken Bändern.

 

Vorderstraße 16            Fl. 2

Fachwerkhaus                Flst. 155/1

Das Wohnhaus ist seit 1688 im Ackerbuch belegt, stand aber schon früher, worauf Gemeinderechnungen aus den Jahren 1667-72 hinweisen. Das Haus ist auf einem Sockel relativ hoch gebaut, um es vor Hochwasser zu schützen. Wahrscheinlich wurde das Haus um 1750 höher gesetzt. Unter der Fassadenverschindelung darf intaktes Fachwerk vermutet werden. Die Fassade zeigt anschaulich die geschossweisen Versprünge des Fachwerkrahmenbaus.

Hakenhof mit giebelständigem Wohnhaus und Scheune mit angeschlepptem Vordach. Das zweigeschossige Wohnhaus mit Satteldach ist zur Straße hin mit ortsbildtypischen, rhombenförmigen Holzschindeln verkleidet und traufständig verputzt. Die rhythmische Fensteraufteilung, die auskragenden Geschosse sowie die Dreizonigkeit des Grundrisses lassen ein gut erhaltenes Fachwerk aus dem 18. Jh. vermuten.
Kulturdenkmal aus städtebaulichen und -künstlerischen Gründen als Teil der Gesamtanlage Vorderstraße.

 

Vorderstraße 18      Fl. 2

Fachwerkhaus          Flst. 172

Das Baujahr des Wohnhauses der ehemaligen Schmiede ist historisch nicht belegt. Das Fachwerkhaus stammt wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert. Darauf lassen die Fachwerkfiguren des breit gelagerten Hauses mit seinen relativ niedrigen Deckenhöhen schließen. Das Erdgeschoss ist massiv gemauert, Mann- und Halbe-Mann-Figuren, Andreaskreuze und Dreiviertelstreben und profilierte Schwellen zeichnen das Zierfachwerk aus. Das Dach, früher biberschwanzgedeckt, ist ein steiles Satteldach mit Aufschieblingen.

Kulturdenkmal aus städtebaulichen und -baukünstlerischen Gründen.

 

Vorderstr. 24                 Fl. 2
Fachwerkhaus              Flst.153

Das Fachwerkwohnhaus ist das ehemalige Wohnhaus des Pfarrers Georg Paul Ayrer, der von 1687 bis 1691 Pfarrer in Nauheirn war. Das Haus, eine große, dreiseitige und älteste Hofreite, muss damals schon gestanden haben: Ayrer kaufte sich dort während seiner Amtszeit ein. An der Scheune des Hauses weist ein Balken mit Zahl 1757 auf das wahrscheinliche Baualter hin.

Das giebelständige, zweigeschossige Wohnhaus mit sichtbarem Sandsteinsockel ist im ErdgeschoB gemauert und verputzt. Das einfache Fachwerk im Obergeschoß ist durch den Einbau von modernen Fenstern, zum Beispiel an der Hofseite, gestört. Das traufständige Nebengebäude auf massiven Sockelgeschoß mit Rundbogenfenstern zur Straße hin, hat ebenfalls im Obergeschoß einfaches Fachwerk. Die Stallungen sind einfacher Backsteinbau aus den 50er Jahren.

Historische Gesamtanlage mit gegenüberliegender Hofreite (Vorderstr. 7) ist Kulturdenkmal aus städtebaulichen Gründen und Teil der Gesamtanlage Vorderstraße 16, 24, 26, 28.

 

 

Vorderstraße 26                   Fl. 2    

Fachwerkhaus                      Flst. 149/2

 

Das Wohnhaus stammt aus dem Jahre 1780 und war ursprünglich Sitz des Schultheißen und Zehnschöffen. Wahrscheinlich hatte dieser die früher an dieser Stelle gelegene Spitalhofreite aus dem 17. Jahrhundert abgerissen und das Haus an deren Stelle neu errichtet. Das Haus steht, wegen der Hochwassergefahr, auf massivem Sockel. Bemerkenswert sind der symmetrisch gestaltete Fachwerkgiebel und die wuchtigen Schwellen. Vor dem Anwesen erinnert ein Sandstein an das Winterhochwasser 1883.

 

Vorderstraße 28                   FI. 2

Fachwerkhaus                      Flst. 146

Das Wohnhaus wurde um 1700 als kleines Hirtenhaus von der Gemeinde erbaut und stand früher am Dorfgraben.

Hofreite mit giebelständigem, zweigeschossigem, verputztem Wohnhaus. Die rhythmische Anordnung der Fenster sowie die Dreizonigkeit im Grundriß lassen auf ungestörtes Fachwerk des 17/18 Jahrhunderts schließen. Die aus den Giebeldreiecken herausstehenden Pfettenköpfe weisen auf einen historischen Dachstuhl hin.
Kulturdenkmal aus städtebaulichen Gründen als Teil der Gesamtanlage Vorderstraße.

Das Bild (re.) zeigt das Ensemble Vorderstraße 28, 26, 24 und 16.

 

 

 (Fortsetzung im Teil 3 der Nauheimer Denkmaltopografie)


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