Die Tetraeder-Skulptur von 1972 vom Schillerplatz in Nauheim erhält einen neuen Standort

Zur Plastik - Räumliche Struktur mit Tetraedern - in Nauheim

Ein Tetraeder ist ein regelmäßiger Polyeder (Vielflächner), der von vier gleichseitigen Dreiecken begrenzt ist.

Die Aufstellung / Wieder- Einweihung erfolgte am 3. Oktober 2017, am Tag der Deutschen Einheit, im Rod / am Schwarzbach, bei den "Sitzkieseln" gegenüber dem "Wiedervereinigungsdenkmal". Neben dem Künstler, Paul Grützner waren Mitglieder des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung, des Heimat- und Museumsvereins (HuM), sowie Nauheimer Bürgerinnen und Bürger anwesend. Bürgermeister Jan Fischer begrüßte die Anwesenden und gab einen Abriss über die 45jährige Geschichte dieser Skulptur.

Wegen einer Wohnungsbaumaßnahme auf dem Schillerplatz musste die Skulptur weichen und fand ihren neuen Platz auf Vorschlag des Heimat- und Museumsvereins am Schwarzbachufer an der Straße "Im Rod" gegenüber dem Wiedervereinigungsdenkmal.


Vorschlag des HuM für den künftiger Aufstellungsort bei den "Sitzkieseln"

Mit dem Auftrag, eine Plastik für Nauheim herzustellen, erwuchsen für den Kunststudenten Paul Grützner 1972 verschiedene Aufgaben, denen er versuchte, gerecht zu werden. Einerseits gab es in Nauheim noch nichts dergleichen, was die Möglichkeit der freien Gestaltung einer Plastik erleichterte, andererseits musste eine Ausdrucksform gefunden werden, die dem Betrachter erfassbar und relativ verständlich erschien. Aus einer Vielzahl von Ideen kristallisierten sich zwei Modelle als Alternative heraus, von denen dann ein Modell die endgültige Zustimmung fand und realisiert werden konnte. Alle Teile der Plastik wurden selbsttätig in handwerklicher Arbeit hergestellt und montiert. Der Plastik lag die Idee zugrunde, aus einfachen Elementen, die sich beliebig vervielfältigen ließen, eine Struktur darzustellen und Räumlichkeit zu erfassen. Das gelang mit 18 Tetraedern aus 72 geschwungenen Dreieckblechen , die so angeordnet wurden, dass sie ein harmonisches, symmetrisches Gebilde ergaben. Die Ausführung in Metall entsprach einer rein subjektiven Entscheidung. Das Aluminium unterstützt jedoch in seiner natürlichen lichten Oberfläche die Leichtigkeit und Durchlässigkeit der räumlichen Zusammensetzung.

Die Plastik ist als solche zwar abgeschlossen, sie ließe sich jedoch aufgrund Ihrer Elementstruktur in ihren Dimensionen bis ins unendliche erweitern. Dem lag die Idee der industriellen Serien- und Massenfertigung von Konsumgütern, auf die der Mensch heute kaum mehr verzichten kann, zugrunde. Als Ganzes jedoch könnte die Plastik Hinweis sein auf biologische, chemische, physikalische und gesellschaftliche Strukturen. Sie alle setzen sich in irgendeiner Weise aus Elementen verschiedener Art zusammen, bilden Synthesen, und sind nur im Zusammenschluss funktions-, reaktions- und lebensfähig. Eine Harmonie wird dabei meist nicht erreicht und bleibt somit nur ideales Ziel.

Kunst erfüllt ihre Aufgabe am besten, wenn sie eine Brücke bildet zwischen dem Bereich des Gefühls und dem Bereich der Wahrnehmung, indem sie dem Gefühl Ausdruck und der Wahrnehmung Form verleiht. Jedem einzelnen Betrachter bleibt es dabei selbst überlassen, Stellung zu beziehen; sie mag dem einen gefallen, dem anderen nicht. Obwohl diese Plastik für Nauheim ein Novum darstellt, kann sie nur Ergänzung innerhalb eines kulturellen Angebotes an die Bürger sein.

Paul Grützner, 1972


Modelle der Skulptur - die linke Variante kam zur Ausführung

 
Aufstellungsort der Skulptur in den 70er-Jahren auf dem Schillerplatz


Aussehen der Skulptur im Jahre 2016 auf dem Schillerplatz

Nach dem Weggang der Filiale der Kreissparkasse Groß-Gerau vom Schillerplatz an die Rüsselsheimer Straße, einigten sich Kreissparkasse und Gemeinde Nauheim, die Örtlichkeiten einer Wohnbebauung zuzuführen. Das hatte zur Folge, dass auch die Tetraeder-Skulptur einen anderen Aufstellungsort benötigte, der gegenüber dem "Wiedervereinigungsdenkmal" im Rod liegt.

In der Ära von Bürgermeister Hermann Reitz (1969 - 1975) erhielt der Kunststudent Paul Grützner den Auftrag zur Erstellung dieser Skulptur als Ergebnis eines Ideenwettbewerbs. Der damalige Sportparkplaner Helmut Linke und weitere Firmen förderten das Vorhaben. In rund 250 Arbeitsstunden erstellte Paul Grützner die Tetraeder-Elemente aus Aluminium. Die Kosten für das Werk betrugen 2.800 DM.

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