Für den heutigen "Friedrich-Ebert-Platz" gab es zahlreiche Bezeichnungen. Auch in alten Bürgermeisterrechnungen finden sich einige der Namen:

·       Leiskaut,
·       Straßenplatz,
·       In der Eisenbahnstraße,
·       Am Kriegerdenkmal,
·       Am Denkmal
·       Brückenwaage
·       Place-Miss-Cavell
.       Adolf-Hitler-Platz

Seit rund 150 Jahre prägt der prächtige Kastanienbaum, heute Naturdenkmal, den Platz. 1862 pflanzte Nikolaus Sünner zur Verschönerung des Brunnenvorplatzes den Kastanienbaum.
Ein erster Brunnen zwischen Kastanienbaum und Waaghäuschen (Brückenwaage) wurde bereits im Jahre 1835/36 gebaut.

Das Waaghäuschen wurde 1870 errichtet.

Nach dem deutsch-französischem Krieg 1870/71 wurde ein Kriegerdenkmal im Juli 1899 vom "Kriegerverein Nauheim" feierlich eingeweiht. Den Platz hat man um 1905 mit Kantensteinen eingefasst. Später wurde um das Kriegerdenkmal auf einem Steinsockel ein schmiedeeiserner Zaun errichtet. Die Beseitigung des Brunnens erfolgte 1912. Das Waaghäuschen wurde vergrößert und diente als Wachhaus.

Während der französischen Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg (Dezember 1918 bis Mai 1920) lautete der Name des Platzes "Place-Miss-Cavell".

Edith Cavell war eine britische Krankenschwester. Während des Ersten Weltkrieges half sie im besetzten Belgien britischen, belgischen und französischen Kriegsgefangenen, in die neutralen Niederlande zu fliehen. Sie wurde dafür wegen eines Verbrechens zum Schaden der deutschen Streitkräfte angeklagt und 1915 in Brüssel hingerichtet.


Gestaltung des Platzes um 1900

Auf dem Platz am Kastanienbaum stand bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Germania des Kriegervereines. Heute befindet sie sich auf dem Waldfriedhof. Die große Begeisterung für das "Militärische" in der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, die sich letztlich auch im Nauheimer Kriegerverein manifestierte, führte dann zur Jahrhundertwende zum Bau des Kriegerdenkmals. 1899 erhalt der "Rechner des Kriegervereins Georg Wedel einen Beitrag zur Errichtung eines Kriegerdenkmals von 600 M." und Georg Diehl III. zehn Mark "für das Reinigen des freien Platzes am Kriegerdenkmal und der Blumen mit Wasser daselbst."

Das Denkmal wurde im Juli 1899 eingeweiht und stand auf der südwestlichen Spitze des Platzes vor dem Kastanienbaum. Auf einer viereckigen Säule aus schwarzem, polierten Granit stand die bronzene Germania und reckte dem aus dem Westen heimkehrenden Krieger mit erhobenem Arm den Lorbeer- oder Eichenlaubkranz entgegen. Auf der Sockel-Rückseite waren die Namen der Kriegsteilnehmer von 1870/71 eingemeißelt, die bis zur Aufstellung des Denkmals bereits verstorben waren. Im Krieg selbst gab es aus Nauheim keine Gefallenen. Nur zwei Ortsbürger verstarben an Krankheiten in Kriegslazaretten.

In der Gemeinderatssitzung vom 7.8.1946 wurde beschlossen, das Kriegerdenkmal von 1870/71 zu entfernen.

Der Platz wurde 1948 nach dem ersten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert benannt. 1970 wurde der Friedrich-Ebert-Platz dann mit Waschbetonplatten und einem Brunnen neu hergerichtet.

Im Rahmen des "Konjungturprogramms 2010" wurden 45.000 Euro für eine erste Umgestaltung bereit gestellt. Schon seit längerer Zeit war vielen der Waschbeton-Charakter dieses Platzes nicht mehr zeitgemäß und kam dem Ambiente dieses zentralen Platzes nicht mehr entgegen. Für eine Umgestaltung gab es mehrere Vorschläge. Als sich die Arbeitsgruppe "Nauheim - schau hin" aus den Vorbereitungen zurück gezogen hatte und die Gemeindevertretung die Umgestaltung dem Gemeindevorstand überließ, wurde als erstes der Platz terracottafarben gepflastert. Die Zufahrt für Anlieger wurde geändert, die Pflasterung auf einer Ebene gestaltet, damit auch größere Feste durchgeführt werden können. Für das Naturdenkmal Kastanienbaum wurde die Baumscheibe vergrößert und aufgelockert. Später sind weitere Elemente hinzugekommen, wie Ruhebänke, Blumenkübel und jahreszeitlich abgestimmte Bepflanzungen.

Diaschau
Hinweis für Diaschau: der Kastanienbaum wurde von Nikolaus Sünner gepflanzt

 
Das Aussehen des Friedrich-Ebert-Platzes bis Mai 2011     

Text-Quelle: Arbeitsgruppe "Nauheimer Dorfgeschichte" im Heimat- und Museumsverein