Oster-Brunnen

Erstmals im Jahre 2002 griffen die Nauheimer Landfrauen eine fränkische Tradition auf und schmückten in der vorösterlichen Zeit den Brunnen (Bild rechts) vor dem Nauheimer historischen Rathaus.

Gerade in den letzten Jahren erfährt der wohl anmutigste Brauch der Fränkischen Schweiz - das Osterbrunnenschmücken - einen immensen Aufschwung. Osterbrunnen sind Anziehungspunkt und Attraktion in der Fränkischen Schweiz!
Man fragt sich nun, seit wann es diesen Brauch gibt und wie er entstanden ist. Das Ausgangsgebiet des Brauches läßt sich etwa auf die zentrale Fränkische Schweiz eingrenzen, doch ist eine genaue Herkunftsbestimmung nicht möglich.

Ostern ist das höchste Fest im christlichen Kalender. Insbesondere der Ostersonntag soll ein Tag der Freude sein, denn da wird die Auferstehung Christi gefeiert und auch das Ende der Fastenzeit. Der Hauptgrund für das Schmücken von Brunnen und Quellen zur Osterzeit ist vor allem im Glauben und in der Bedeutung des Wassers für die Existenz von Leben zu sehen - vor allem für die wasserarme Hochebene der Fränkischen Schweiz. Dem Osterwasser wurde früher besondere Wirkung zugeschrieben. Kinder, mit frisch geweihtem Wasser an Ostern getauft, sollten sehr klug werden. Das Trinken von Osterwasser schützt gegen Krankheiten glaubte man und das Verspritzen des Osterwassers im Haus hält Ungeziefer fern. 

Vor der Einrichtung der uns heute so selbstverständlichen, zentralen Wasserversorgung legte die Bevölkerung in den Dörfern der Region Zisternen an, um das kostbare Nass aufzufangen. Aufgrund der besonderen geologischen Verhältnisse des fränkischen Juras mit seinen tiefen, mäandernden Tälern und lang gestreckten Höhen lagen die natürlichen, spärlichen Sammelstellen für das Wasser immer am Grund des Tales. Hier sprudelten die Quellen, von hier musste das Wasser mühsam in die Höhe geschafft werden. Mancherorts wurden auch bis zu hundert Meter tiefe Stollen gegraben, um an das Grundwasser zu gelangen. Diese enorm aufwendigen Brunnen schützte man (z.B. in Betzenstein und Birkenreuth) mit einem Brunnenhaus. 

Eine zeitliche Fixierung des Osterbrunnenschmückens ist nicht genau möglich. Mündliche Überlieferungen datieren den Brauch auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Beispielsweise in Aufseß schmückte man um 1909 den ersten Osterbrunnen, in Engelhardsberg begann dieser Brauch nachweislich 1913. Anfang der 50er Jahre setzte der Rückgang dieses Brauches ein, vermutlich aufgrund der nun überall installierten zentralen Wasserversorgung. In Folge der in den 80er Jahren neu erwachten Heimat- und Brauchtumspflege erfuhr das Osterbrunnenschmücken eine intensive Neubelebung. Jetzt werden über 200 Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz gezählt. 

Das Schmücken des Osterbrunnens beginnt zunächst mit dem Säubern der Anlage, dem sogenannten "Brunnen fegen". Übten diese Tätigkeit früher die jungen Burschen aus, so tun dies heute entweder die den Brunnen schmückenden Frauen oder deren Ehemänner, manchmal im Verein organisiert. Danach wird die Anlage geschmückt, im Volksmund spricht man dabei vom "Brunnen putzen". Als Schmuck dienen ausgeblasene und das Jahr über gesammelte Eierschalen, die einfarbig oder auch künstlerisch bemalt und verziert sind. Zum Schmuck gehören weiterhin einzelne oder büschelweise gebundene Papierbänder, die so genannten "Pensala", und Girlanden aus Fichtenzweigen, die um etwaige vorhandene Brunnentröge gewunden oder zu Gerüsten und Kronen geflochten werden. In vielen Orten ziert zusätzlich echter Blumenschmuck die Osterbrunnenanlage. 

Bereits zur Touristenattraktion sind die zu Ostern mit bunten Eiern geschmückten Dorfbrunnen der Fränkischen Schweiz geworden. Mit total 11.108 handbemalten Eiern hielt 2001 der Brunnen von Bieberbach (bei Egloffstein) Einzug ins Guinness-Buch der Rekorde, ist jedoch 2005 von Sulzbach-Rosenberg (Oberpfalz) mit insgesamt 16.500 Eiern übertroffen worden. Eine Attraktion, die sehr viele Gäste anlockt.

Auch im Jahre 2016 begehen die Nauheimer Landfrauen diesen Brauch. Nach dem " Nauheimer Hasenfest" wird die Osterkrone zum Dorfbrunnen gebracht und dort aufgesetzt. Dazu ein Videoclip.

Nauheimer Brunnen    Homepage Heimat- und Museumsverein