Der Hellenenbrunnen

Der Hellenenbrunnen im Nauheimer Oberwald

Zusammengestellt von der "Arbeitsgruppe Nauheimer Dorfgeschichte" im Nauheimer Heimat- und Museumsverein
Harald Hock, Erwin Kaul, Richard Kaul (Juli 2005)

Als einen weiteren "Gemeindebrunnen" könnte man den "Hellenen-Brunnen" im Nauheimer Oberwald bezeichnen. Er war und ist Eigentum der Gemeinde Nauheim, befindet sich auf Gemeindegelände und die Gemeinde war und ist für seine Erhaltung zuständig. Die ehemalige Quelle befindet sich im Nauheimer Oberwald zwischen Mörfelden, Langen und Egelsbach.



Platz um den Hellenenbrunnen (vorne) im August 2005

 


Der "Hellenenbrunnen" war eine einst fast ganzjährig trinkbares Wasser spendende Quelle. Es ist eine sog. 'Auslaufquelle', aus der das zwischen zwei wasserundurchlässigen Erdschichten geführte Grundwasser selbsttätig zu Tage quillt. Dass die Voraussetzung hierfür - natürliches Geländegefälle - beim Hellenenbrunnen gegeben ist, zeigt ein Blick auf die topographische Karte: schon das naheliegende Schloss Wolfsgarten liegt ca. 7 Meter höher, Langen gar ca. 15 Meter. Das Wasser der Quelle fließt in den gut 100 Metern entfernt vorüberfließenden Wurzelbach, der am Mönchbruch die Mönchbruchmühle antrieb und mit dem Gundbach den Schwarzbach bildet.

Ursprünglich hieß der Hellenenbrunnen in den Anliegerorten Erzhausen, Egelsbach und Langen "Hummelsborn" und war wahrscheinlich der Trinkwasserbrunnen der Waldarbeiter, Jäger, Hirten usw. Doch diente er spätestens nach dem Bau von Schloss Wolfsgarten (1722-1724) auch als Ausflugsziel bei Spaziergängen der Schlossbewohner, denn 1854 ist im Urkataster ein gewundener Fußpfad in Richtung Schloss Wolfsgarten ausdrücklich mit eingezeichnet!

Um 1946 war das Äußere des Brunnens noch ähnlich dem im Gemälde gezeigten: zum Wurzelbach hin war die von der Quelle ausgewaschene Erdrinne mit einer 1-2 Meter langen Mauer aus roh gesetzten Langener Sandsteinen gefasst. Dahinter der Brunnentopf. Aus der Mauer ragte unten ein dünnes Rohr, aus dem das Quellwasser lief. Es war klar und kühl und schmeckte leicht faulig. (mündlich v. R. Kuhlmann).

Anlässlich der Nauheimer 1100-Jahr-Feier 1951 brachte der Nauheimer Heimatforscher Georg Diehl ("Amme-Schuster") den fernen Waldbrunnen wieder ins Gespräch und versuchte in der Folgezeit Bedeutung und Herkunft des Namens "Hellenenbrunnen" zu ergründen. In seinen handschriftlichen Unterlagen berichtet er:

„1954 habe ich mit Johannes Schad und Jakob Schad mit Unterstützung des Bürgermeisters den Brunnen leer gepumpt und gereinigt, den Abfluß über die Schneise in einen Kanal gelegt und den Zufluß zur Wurzelbach frei gemacht. Unter dem Holzrost worauf der Brunnen sitzt fanden wir einen Sandstein mit der Jahreszahl 1717 mit verschiedenen Zeigen. Diese möge ich vom Landesmuseum feststellen lassen. Vielleicht klärt sich manches auf. Wo jetzt durch die Aufhebung der kreisfreien Gemarkungen unser Oberwald nur grundsteuermässig zu Mörfelden gehört diesen Brunnen in die Aufsicht der Forstbehörde und der Gemeinde Mörfelden zu übergeben. Als Zeichen des unveräußerlichen Besitzes von Nauheim wurde dieser neue Brunnenbelag mit der Inschrift 1100 Jahre Nauheim auf diesen alten Brunnen gelegt."

Seit Georg Diehl den Hellenenbrunnen neu in einem Betonring mit Betondeckel (Aufschrift: 1100 Jahre Nauheim") fasste, ist wohl nichts mehr am Nauheimer Brunnen im Nauheimer Oberwald verändert worden; zumindest ist nichts weiter bekannt. Auch fließt der Waldquell offenbar nur noch in besonders regenreichen Zeiten.                                                                                                                                                Harald Hock

Am Helenenbrunnen
Besuchergruppe am Hellenenbrunnen im Nauheimer Oberwald (1994)


Nauheimer Besuchergruppe am "Tag des offenen Denkmals" 2006 nach der Umgestaltung des Platzes

Geschichtliches

Erste Erwähnung "Hellenenbrunnen" im Jahre 1842 — Herkunft des Namens "Hellenenbrunnen“

Der Maler Ernst August Schnittspahn 1858 und auch das Urkataster von Geometer Gäbet 1854/55 haben nicht den Namen "Helenenborn" unter das Gemälde bzw. in das neu erstellte Grundstücksverzeichnis geschrieben, sondern den damals offenbar volkstümlich noch verbreiteteren historischen Quellnamen "Hummelsborn" oder "Hummelborn" bzw. "Hummelsbornschneise" oder "Hummelbornschneise".

Und doch ist die erste schriftliche Erwähnung des "Hellenenbrunnens" bereits von 1842 erhalten:
Im Gemeindearchiv von Nauheim ist in der Bürgermeisterrechnung von 1842 bei den gemeindlichen Ausgaben der Eintrag zu finden (übertragen von Richard Kaul):

„Dem Johannes Schaadt zu Nauheim für das Fegen der Wurzelbach von dem sogenannten Hellenen Brunnen bis an die Grenze der Bornbruchwiese 11 fl. 30 Kr.“
(fl = Gulden; Kr = Kreuzer)

Die älteste schriftliche Nachricht

von der Existenz des "Hummelsborns“, also des Hellenenbrunnens, erfährt man auf der Haas´schen Karte von 1799.

Man beachte: in diese von Militärpersonen für das Militär angefertigten Karte sind 'Kleinigkeiten' nicht mit aufgenommen, im Nauheimer Oberwald nur die Waldwege, keine weiteren Details! Also muss der Waldbrunnen "Hummelsborn" in diesem Waldgebiet eine hervorragende Bedeutung gehabt haben und vor allem - schon längst -  bekannt gewesen sein.
 

Herkunft des Namens Hellenenbrunnen
 
Anfangs wurde der Name mit zwei "L" geschrieben und veranlaßte den ehemaligen Leiter des Hess. Staatsarchivs in Darmstadt, Professor Dr. Eckart G. Franz, zu folgender Deutung:

Zu Beginn des 19. Jh. spielte im Darmstädtischen die sog. "Phil-Hellenische Bewegung", die Unterstützung des Freiheitskampfes der Griechen gegen das Türken-Reich, eine große Rolle. 1822 wurde ein "Hilfsverein für Griechenland" gebildet, der u.a. die im gleichen Jahr in Marseille nach Griechenland einschiffende "Deutsche Legion" unterstützte, in der in der Folgezeit auch einige "hellenisch" begeisterte Darmstädter Studenten, wie der sog. "Schwarze Karl Kahl" gefallen sind. Wichtigster Promoter war der Darmstädter Kaufmann und Oppositionspolitiker Ernst Emil Hoffmann, der die Legion bis Marseille begleitete.

Erster König des freien Griechenland wurde 1835 der junge Prinz Otto von Griechenland, der Lieblingsbruder der Erbgroßherzogin Mathilde, die seit der Jahreswende 1833/34 mit Ludwig III. verheiratet war. Als der nunmehrige König Otto 1836 zur Brautschau nach Deutschland kam, nahm Mathilde an der im November gefeierten Hochzeit mit Prinzessin Amalia von Oldenburg teil. Auf der Rückreise ins Bayerische war das junge Königspaar auch in Darmstadt zu Besuch.

Es wäre durchaus naheliegend, dass der insgesamt sehr um die Erschließung der Landschaft bemühte Erbgroßherzog - die zum Teil noch erhaltenen Aussichtstempel um Darmstadt gehen überwiegend auf ihn zurück - in diesem Kontext die ja ebenfalls vor 1842 erfolgte Um-Taufe des Hummelsborn zum "Hellenen-Brunnen" genehmigt hat.

 

* * * *


( Ausschnittvergrößerung )

Das Gemalde des Hellenenbrunnens von Ernst August Schnittspahn (1795 - 1882) - mit der Bildunterschrift -

Hummelsborn
Oberförsterei Wolfsgarten
Forst Gross Gerau
Kreis Gross Gerau

hat der Künstler 1858 geschaffen, wie die Jahreszahl rechts unten offenbart. Es ist als "Guasch" ausgeführt. (Guasch = Gouache =Malerei mit deckenden Wasserfarben in Verbindung mit harzigen Bindemitteln.)

Das Original ist im Besitz des Landgrafen von Hessen und wird heute in Schloss Wolfsgarten aufbewahrt. Es ist in Nauheim als Planfilm-Fotoreproduktion in originaler Größe im Bürgermeister-Dienstzimmer aufgehängt. Auch Passepartout und Rahmen sind dem Original sehr ähnlich nachempfunden. Es existieren zur Zeit keine weiteren Kopien oder Reproduktionen des Kunstwerkes.

*  *  *  *  *

Erwähnung des "Hellenenbrunnens" im Jahr 1900

Nicht weit von Wolfsgarten westlich befindet sich ein Brünnchen mit schwefelhaltigem Wasser. Früher hieß es „Himmelsbörnchen“.  Großherzog Ludwig III. gab ihm den Namen "Helenenbrünnchen". Auf einer dabei aufgebrachten Tafel sind folgende Verse zu lesen:

Was in der Vorzeit dämmerigen Grunde
dahier verborgen lag wie in dein starren Grab'
wovon die Sage kaum noch leise Kunde
dem Forschenden auf seine Frage gab.

Das rief hervor ins frisch bekränzte Leben
ein günstiges ein glückliches Geschick.
Es prangt aufs neu voll Jugendreiz umgeben
und zeigt sieh schön dem froh erstaunten Blick.

Du kleiner Quell, dein Namen, Glanz und Weihe
einst eines edlen Fürsten Huld verlieh,
Du bist es wert, daß sich Dein Ruhm erneute
Du heilig Denkmal höherer Sympathie.

So redeten von längst vergangenen Tagen
beglückter Zeuge der Vergangenheit
doch auch von Ihm dem besten wirst Du sagen
der alte Prinzen überstrahlet weit

Quelle: "Adreßbuch der Stadt Langen" von G. H. W. Werner, Langen 1900, Seite 110: „Mitteilungen aus der Stadt Langen“

 

 Hauptseite Heimat- und Museumsverein   Wegebeschreibung zum Hellenenbrunnen