Sammeltassen- 

Zum ersten "Sammeltassen-Kaffee" hatte der Heimat- und Museumsverein am Sonntag, 20. Januar 2019, ins Nauheimer Museum eingeladen. So wie früher ein Sonntagnachmittag in der „gud Stubb“ zelebriert wurde, so sollte es ablaufen: das beste Geschirr wurde herausgeholt, der Tisch fein gedeckt, der Bohnenkaffee in der Handmühle gemahlen und mit heißem Wasser aufgebrüht. Übrigens, die Kaffeebohnen waren aus "fair trade" erworben  worden. Dabei wurde über dies und jenes geplaudert und natürlich Kreppel und frische Waffeln serviert. Zu diesem Sonntagnachmittag-Kaffee kamen viele Besucher, auch aus der näheren Umgebung, wie Haßloch, Königstädten, die es wie zu "Großmutters Zeiten" ausprobieren wollten. Es war die erste Veranstaltung dieser Art und die erste Kaffeekanne lieferte denn auch nur "Blümchenkaffee". Der handgemahlene Kaffee war zu grobkörnig und somit nicht so ergiebig. Das aber wurde im Laufe des Nachmittags behoben und dann blieb der "Löffel in der Kaffeetasse stecken". Bedauerlicherweise gingen der Kuchen, bzw. die Kreppel, zu früh aus, was der Vorstand sehr bedauert und sich hiermit entschuldigt.

Vorstandsmitglied Elva Brehmer setzte ihre Idee vom "Sammeltassen-Kaffee" im Museum um und deckte mit der Vorsitzenden, Ute Ansahl-Reissig, liebevoll drei Tische ein. Die Gäste verstanden es zu würdigen und ließen sich gerne verwöhnen.

Wer dieses erste Mal versäumt hat, kann weitere Gelegenheiten wahrnehmen, z.B. am 19. Mai (int. Museumstag), 28. Juli, 29. Sept. und 24. Nov. 2019.

 Videoclip


Eine der ersten Tätigkeiten war das Mahlen der Kaffeebohnen in der Kaffeemühle - Elva Brehmer und Ute Ansahl-Reissig machen es vor


Mit siedend-heißem Wasser wird der Kaffee aufgebrüht


Die Museumsbesucher genossen das Kaffeetrinken auf eine etwas andere Art

Die Tradition der Sammeltasse geht zurück auf die Zeit des Biedermeier. Als Biedermeier wird die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses 1815 bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution 1848 in den Ländern des Deutschen Bundes bezeichnet. Im frühen 19. Jahrhundert wurde Porzellan preiswerter, und es entwickelte sich in bürgerlichen Kreisen der Brauch, Tassen zu sammeln oder zu besonderen Anlässen zu verschenken.

Die Erinnerungstassen waren weniger für den täglichen Gebrauch gedacht, sondern wurden als Repräsentationsstücke in den Vitrinen der biedermeierlichen Wohnzimmer zur Schau gestellt. Bei fast allen Manufakturen ließen sich individuelle Dekore und Beschriftungen bestellen. Im Gegensatz zu heute lag dabei die Schauseite der Tasse dem Henkel genau gegenüber, damit er die Wirkung von Malerei und Beschriftung nicht störte.

Besonders beliebt waren im Biedermeier die Ansichtentassen mit dem Bild einer Landschaft oder einer Stadt. Daneben gab es auf den Tassen alle möglichen anderen Darstellungen wie Landkarten, Reliefporträts, Hausfassaden, Blumenbilder, Rosenblüten, Vögel oder bekannte Bauwerke. Weit verbreitet waren außerdem Tassen mit Sinnsprüchen.

Der Kaffee- oder Teetisch wurde im Biedermeier zum Zentrum des Familienlebens. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf das Geschirr gerichtet. Neben den Tassen bestand das Kaffeeservice aus verschiedenen Kannen und einem Zuckergefäß. Kuchenteller gehörten zunächst nicht dazu, da kein Kuchen zu Tee oder Kaffee gereicht wurde.

Auf die zunehmende Lust am Sammeln von Geschirr reagierten die Hersteller mit immer umfangreicheren Modellpaletten. Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg entwickelte zum Beispiel im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts über einhundert verschiedene Tassenformen und entsprechend viele Dekore. 1860 umfasste der lieferbare Bestand 91 Modelle, und 1926 wurden rund 200 zum Teil hochwertig dekorierte Sammeltassen und die um 1900 aufgekommenen kleineren Mokkatassen angeboten.

Die Blütezeit der Sammeltassen im 20. Jahrhundert währte bis in die 1930er Jahre. Nach wie vor wurden sie nur bei besonderen Gelegenheiten benutzt und waren beliebte Geschenke für die Aussteuer oder zum Geburtstag. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Tradition noch für zwei Jahrzehnte fort, bis sie in den 1970er Jahren schließlich endgültig an Bedeutung verlor. Für ältere Stücke entwickelte sich dann in den 1990er Jahren ein Sammlermarkt. Zugleich kreierten Künstler neue, dem Zeitgeschmack in Form und Dekor angepasste Einzelgedeck-Kollektionen, deren Erfolg aber nicht zuletzt von dem Verlangen junger Käufer nach spülmaschinenfestem Gebrauchsgeschirr bestimmt wird.                                                                                                                                         Quelle: Wikipedia

 

 

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