Nauheims Wahrzeichen: der Kastanienbaum
(nach H. Hock, Aus der Nauheimer Chronik I, S. 175)

Erst nachdem die Nauheimer die heutige Mühlstraße westlich des Schwarzbaches ab 1828 zum Baugebiet machten und 1835/36 an der "Leiskaut" *) den zweiten Dorfbrunnen erbauten, änderte sich die Einstellung zu dem Verkehrsknotenpunkt. Die ersten Häuser bauten Anlieger und es wurden Fahrwege befestigt, die den heute noch existierenden dreieckigen Platz markieren.

Sehr oft trafen sich die Nachbarn beim Wasserholen am Brunnen. Dabei war gelegentlich auch Nikolaus Sünner (*5.2.1819, † 6.2.1889), der 1854 in die Familie Bernhard Engroff II. eingeheiratet hatte. Durch die Verbindungen seiner Schwiegermutter Anna Sophie Habich, die 1829 von Klein-Gerau nach Nauheim heiratete, konnte er ein Fachwerkhaus in Klein-Gerau günstig erwerben.

Auf einem Kuhgespann transportierte die Familie das abgebrochene Fachwerkhäuschen von Klein-Gerau in die Mühlstraße 15 und baute es hier wieder auf. Dabei war auch ein neben dem Haus in Klein-Gerau stehendes, hübsch gewachsenes Kastanienbäumchen als Erinnerung mit nach Nauheim gebracht worden. Da das junge Bäumchen aber für den kleinen Gemüsegarten in der Mühlstraße 15 über kurz oder lang zu groß geworden wäre, suchte die Familie einen anderen Standort, möglichst in Sichtweite.

Und so kam der Baum dann in die Leiskaut: 1862 pflanzte Nikolaus Sünner zur Verschönerung des Brunnenvorplatzes, an dem die Familie täglich ihr Trinkwasser holte, seinen Kastanienbaum in das Straßendreieck. Wasser war nicht weit und es haben wohl viele mitgeholfen, daß stets ausreichend davon um den jungen Kastanienbaum vergossen wurde, denn er wuchs prächtig an und gedieh wunderbar! Da der Baum, den man sicherlich ohne Widerspruch zu erregen, das Wahrzeichen Nauheims nennen darf, nicht gesät, sonder schon einige Jahre alt verpflanzt wurde, dürfte er bei der 1150-Jahr-Feier Nauheims recht genau 150 Jahre alt sein.                                                           

*) Leiskaut = von tiefen (Wagen-)Spuren bedeckte Fläche - der heutige Friedrich-Ebert-Platz.


Förster-Pitzer-Eiche

Der 1882 geborene Heinrich Pitzer trat im Juli 1912 die Stelle eines Försters im Nauheimer Unterwald an. Bis 1946 waltete der beliebte und geachtete Mann seines Amtes. Anschließend war ihm ein 22jähriger Ruhestand vergönnt, ehe er 1968 starb. Er war ein Mensch mit einem Herz für die Armen, was man ihm noch heute hoch anrechnet. So drückte er beide Augen zu, wenn er Holzsammlern während des Krieges im Walde begegnete. Seine Pflicht hätte es ihm geboten, die Sammler anzuzeigen - doch er war ihnen sogar behilflich.

Ihm zu Gedenken wurde die einst mächtige, über 400 Jahre alte Stieleiche an der Blechschneise benannt. Ihr Umfang maß über fünf Meter. Doch ihr Alter, Umwelteinflüsse und ein Blitzschlag blieben nicht ohne Folgen. Ein Starkast, der die eigentliche Kronenbildung bewältigte, ist mittlerweile gebrochen, sodass nur noch der Stamm übrig blieb. Er ist Lebensstätte für zahlreiche Insekten.


Körner-Linden

Vor dem "Unteren Treburer Forsthaus" (dem heutigen Odenwald-Clubhaus Groß-Gerau) pflanzte Georg Körner 1881 die Linden. Sechs Sprößlinge entsprangen der Erde und wuchsen zu einer stattlichen Baumgruppe heran. Georg Körner war von 1873 bis 1920 im Forstdienst. Er sorgte mit Umsicht für ein funktionierendes Forstwesen, hielt Wald- und Wildfrevel in Grenzen. Nicht selten stellte er in dunklen Nächten Wilderern nach, während die Familie voller Sorge auf die Rückkehr des Vaters wartete. Aber es gab auch friedvolle Tage: Treibjagden, zu denen Fürsten und Grafen im Vierspänner vorfuhren, um ein bescheidenes Frühstück einzunehmen. Fuchs- und Dachsjagden, bei denen im Wald der Eintopf dampfte - vergessene Romantik aus einem wildreichen, unerschütterlichen Wald. Viele hungrige und durstige Wanderer klopften an die Pforte des "Unteren Treburer Forsthauses" und begehrten Einlass. Dies bewog die Försterfamilie Speis und Trank anzubieten. Fortan wurde das Forsthaus zu einem beliebten Ausflugsziel, was es noch heute ist — das Odenwald-Clubhaus.

Von den sechs Sommerlinden haben sich wegen der Kronenkonkurrenz drei stärker und drei schwächer ausgebildet. Die Jahre haben deutliche Spuren eingegraben: Markante Wurzelanläufe, Verwachsungen, Hohlkehlen und Beulen an den bizarr gewachsenen Stämmen und Ästen. Dieser besondere Wuchs war der Grund, die Linden unter Schutz zu stellen.


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