In
der Gemeinde Nauheim kann man an vielen Stellen Gedenksteine und
Mahnmale finden. Historische Grabsteine sind auf dem Waldfriedhof
platziert worden; ihre Ursprungsorte waren der erste Nauheimer Friedhof
im Bereich Bahnhof-/W.-Leuschner-Straße bis zur Bahn. Ein Zwischenlager
war dann der Friedhof „An der Bell“, auf dem „Feldchen“, an der Stelle
des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses. Die älteste existierende
Grabplatte wurde um die Jahrhundertwende zwischen die Urnenwände auf
dem Waldfriedhof aufgestellt. Sie ist 207 cm hoch und 87 cm breit und
diente als Grabplatte für den Landgräflichen Obristen Wilhelm Ernst
Preibisius (* 18.3.1724 in Schaafheim, † 28.3.1796 in Nauheim). Demnach
diente er bis zu seinem Ruhestand in Hanau und Pirmasens. Nach Nauheim
zog der pensionierte Junggeselle zu seinem älteren Bruder, dem Pfarrer
Johann Christian
Preibisius (*
1720, † 1793), der Pfarrer in Nauheim von 1770 – 1793 war. Er war auch
gleichzeitig fürstlicher Inspektor der Diözese Kelsterbach. Der
vermögende Oberst Preibisius verlebte seinen Ruhestand bei der Familie
seines Bruders im Pfarrhaus, erbaut 1747-1749, in der Pfarrgasse auf
dem heutigen Pfarrgelände der evangelischen Kirchengemeinde. Leider
wurde das Pfarrhaus 1975 abgerissen. Das geräumige barocke Gebäude
hatte eben keine Lobby! In diesem Pfarrhaus herrschte damals reges
Leben. Pfarrer J. Chr. Preibisius war zwei Mal verheiratet und hatte
zwei Töchter und einen Sohn. Die jüngere Tochter heiratete den
Pfarradjunkt Georg Christoph Göbel, zunächst Amtsgehilfe, dann
Nachfolger von Preibisius. Übrigens, die männlichen Angehörigen der
Preibisius-Sippe waren meistens Pfarrer oder Soldaten. Der Name wurde
auch in Preibisch umgewandelt und hatte vermutlich seine Ursprünge im
Raum Leipzig.
Oberst Preibisius diente unter Landgraf Ludwig IX. in Hanau und später
in Pirmasens. Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt (* 15.12.1719 in
Darmstadt; † 6.4.1790 in Pirmasens) war von 1768 bis 1790 Landgraf von
Hessen-Darmstadt, Gründer der Stadt Pirmasens und Gatte der sogenannten
„Großen Landgräfin“ Henriette Karoline von Pfalz-Zweibrücken.
Preibisius Lebenslauf ist eng mit der Vita des Landgrafen verbunden.
Sie waren beide etwa gleich alt.
1740 wurde Ludwig für volljährig erklärt und er übernahm als Graf von
Hanau-Lichtenberg die Regierung, bis er 1768 die Regierungsgeschäfte in
Darmstadt nach dem Tode seines Vaters übernahm.
Die Parforcejagd, die sein Vater und Großvater intensiv betrieben,
hatte die Landwirtschaft und auch die Staatsfinanzen in
Hessen-Darmstadt nahezu ruiniert und so wurde sie von ihm abgeschafft.
Dafür wurde das Heer aufgestockt und Kasernen und Garnisonen ausgebaut.
Ludwigs Persönlichkeit besaß manche irrationalen Züge, wie seine
Geisterfurcht, und er wurde wegen seines „Soldatenspiels“ von einigen
Zeitgenossen belächelt. Der Landgraf kümmerte sich jedoch fürsorglich
um seine Soldaten und er hatte eine besondere Vorliebe für
Exerzierübungen und Paraden. Er beteiligte sich nicht an dem zu dieser
Zeit üblichen „Soldatenhandel“, wie ihn beispielsweise seine
Verwandten, die Landgrafen von Hessen-Kassel, betrieben.
Ludwig komponierte unzählige Militärmärsche, was ihm den Beinamen des
„Reiches Erz-Tambour“ einbrachte. Mit der deutlichen Erweiterung des
Heerwesens legte Ludwig den Grundstein für die spätere Machtstellung
Hessen-Darmstadts in den napoleonischen Kriegen.
Ludwigs Leben war stark verbunden mit der Stadt Pirmasens, ursprünglich
nur ein kleines Walddorf, das als Sitz des hanau-lichtenbergischen
Amtes Lemberg fungierte. Sein Großvater Johann Reinhard III. hatte dort
bereits um 1720 ein kleines Jagdschloss errichtet. Der Ort wurde vom
Landgrafen ab 1741 als Garnison und Residenz ausgebaut, 1763 erhielt
Pirmasens die Stadtrechte und die Einwohnerzahl stieg von 250 auf etwa
9000 bis zum Jahre 1790 an.
Ludwig ließ in Pirmasens einen großen Exerzierplatz für seine Garnison
anlegen. Um von der Witterung unabhängiges Exerzieren zu ermöglichen,
erfolgte 1770/71 gegenüber dem Schloss der Bau einer stützenlosen
Exerzierhalle, die zu diesem Zeitpunkt die zweitgrößte Exerzierhalle
Europas war.
Als Ludwig noch in Hanau-Lichtenberg residierte, begann Preibisius dort
seine militärische Laufbahn. Die Stammrolle der Oberoffiziere führte im
preußischen Regiment „Graf Witt" ihn als „Preibisius, Wilh. Ernst,
Schaafheim [=Geburtsort], (AS) [=Amt Schaafheim], 24 Jahr [zum
Zeitpunkt des Eintritts, s. im Folgenden = 1750) .. . .“. 1750 wurde er
Leutnant, 1760 Kapitän und 1770 Major. Als er 1782 Obrist-Leutnant
wurde, war er Kommandant und Kompaniechef im Grenadier-Regiment
„Landgraf". Oberst und Stadtkommandant von Pirmasens wurde er 1787. 5 ¾
Jahre diente er im preußischen Regiment „Graf Witt“, 1748-1779 im
Infanterieregiment No. 12 „Erbprinz von Hessen-Darmstadt“, 1782-1790 im
Regiment „Landgraf“ und 1790 im Grenadier-Garde-Regiment
„Hanau-Lichtenberg“.
Nach dem Tode von Landgraf Ludwig IX. im Jahre 1790 quittierte
Preibisius seinen Dienst und setzte sich mit 66 Jahren bei seinem
Bruder in Nauheim zur Ruhe. Die Zeiten waren ungemütlich und
gefährlich, denn in den Jahren 1793 bis 99 erfolgten in Nauheim immer
wieder Einquartierungen von preußischen, österreichischen,
französischen und auch Reichstruppen. Bevor sie dem
hessisch-darmstädtischen Obristen habhaft werden konnten, entzog sich
dieser einer Festnahme sporadisch lieber durch Flucht nach Darmstadt.
Als Todesursache wurde „Auszehrung“ benannt, was heutzutage vielleicht
als Tuberkulose, oder Krebs, aber auch als eine Herzkrankheit gedeutet
werden kann.
Seine letzte Ruhestätte, bedeckt mit einer aufwändig gestalteten
Grabplatte aus Odenwälder Buntsandstein aus dem Neckartal, fand Oberst
Preibisius auf dem Kirchhof, dem ersten Nauheimer Friedhof, der 1898
aufgegeben wurde. Da die Grabplatte nach einer Zwischenlagerung auf dem
zweiten Nauheimer Friedhof dann auf den 1927 eröffneten Waldfriedhof
kam, wurde sie dort lange im Freien gelagert und verwitterte stark. Die
Bauverwaltung der Gemeinde Nauheim veranlasste eine Restauration, wobei
auch die Inschrift nachgeschnitten wurde.
Quellen:Nauheimer Chronik I, Seite 417, Autor Harald Hock. Wikipedia.
L. Kampfmann und Oskar Schäfer „Die Soldatenstadt Pirmasens unter Landgraf Ludwig IX.
von Hessen Darmstadt, 1741-1790“, 1936, Adolf Deil Pirmasens

Die älteste Nauheimer Grabplatte,
gefertigt für Oberst W. E. Preibisius (1724-1796) |
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VNTER DIESEM STEIN
RVHET IM FRIEDEN
WEILAND HERR
WILHELM ERNST
PREIBISIVS
GEWESENER FÜRST
LICH HESSEN DARMSTÄD
TISCHER OBRISTER
BEI DEM INFANTERIE
REGIMENT HANAV VND
COMMANDANT IN
PIRMASENS ER STARB
HIER IN NAVHEIM IM
IAHR 1796 DEN 28. MERT
IST ALT WORDEN 72 IAHR
VND 10 TAGE . SEINE
RECHTSCHAFFENHEIT
ERWARB IM DIE ACHTVNG
ALLER JVGENDFREVNDE
WELCHE IHN KANTEN
SANFT
SCHLVMMERE SEIN LEIB
IN DIESER GRVFT BIS
JESVS
IHM ZUR
AVFERSTEHVNG
RVFFT.
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