Bürgermeister Rudolf Zaich (1975 - 1993)
Bürgermeister Rudolf Zaich (2017) neben seinem Portrait, gemalt von Brigitte Schulte Kellinghaus
Als junger Mann übernahm Rudolf Zaich 1970 die Funktion eines büroleitenden Beamten in der Gemeinde Altenstadt (Wetterau). Zuvor hatte der in Wilhelmshaven Aufgewachsene und am 25.10.1942 in Neukirch (Lausitz) Geborene seine Verwaltungslehre abgeschlossen und die erforderliche erste und zweite Verwaltungsprüfung absolviert.
Das war die Voraussetzung für die Bewerbung als Bürgermeister 1975 - in einer Zeit, als Nauheim landesweit Schlagzeilen schrieb, weil die SPD ihren seitherigen Bürgermeister Hermann Reitz abwählte und sich als Partei mit vielen Grabenkämpfen aufgerieben hatte.
Dass mit Zaich ein ruhiger, besonnener, unverbrauchter Mann von außerhalb nach Nauheim kam, war für die Kommune hilf- und segensreich.
1980 war Zaichs erste Wiederwahl, 1987 seine zweite. Weitere fünf Jahre später schien der Akku des Norddeutschen aufgebraucht. In einer Aufsehen erregenden Pressekonferenz verkündete er 1992, im Folgejahr nicht mehr antreten zu wollen.
Zaich und seine Genossen kämpften damals um den Klärbeitrag. Die Bevölkerung zog nicht mit. Das Bürgermeisteramt besetzte ab 1993 - nach der ersten Direktwahl in Nauheim - mit Helmut Fischer erstmals ein Christdemokrat.
Die 18 Jahre zuvor sind und bleiben untrennbar mit Zaichs Namen verbunden. Er habe der Gemeinde einen "markanten Stempel aufgedrückt", hieß es bei seinem Abschied am 2. Juli 1993.
Die Schließung des Bahnübergangs im Schleifweg, der Bau der Überführung Schillerstraße, der Aus- und Umbau des Bahnhofvorplatzes, die Erschließung der Baugebiete Wolfsberg und Im Rod, der Ausbau zahlreicher Kinderspielplätze, der Bau des Kindergartens Schwanenstraße und eines damaligen Horts in der Schillerstraße, die Sozialstation, der soziale Wohnungsbau, das Heimatmuseum und das Dorferneuerungsprogramm mit der Sanierung des Alten Rathauses fallen neben vielen anderen Projekten in seine Amtszeit.
Nicht zu vergessen: Seine enge Verbundenheit mit Nauheims französischer Partnergemeinde Charvieu-Chavagneux, verwurzelt und geprägt durch offizielle und private Freundschaften beispielsweise zu Felix Cottin, seinem Amtskollegen aus der französischen Kommune. 2019 wurde Zaich für seine Verdienste um die Jumelage von der Gemeinde geehrt.
2009 äußerte sich einer seiner Weggefährten und verlässlichen Mitarbeiter im Rathaus, der 2023 verstorbene Wolfgang Lindner, über seinen Chef im Rathaus so: "Mit Rudolf Zaich kehrte Konsolidierung ein. Er war ein vorzüglicher Verwaltungsfachmann und packte vieles an, auf das wir heute noch gerne schauen, zum Beispiel die Kindertagesstätten, der Sozialbereich, die Musiktage, die Dorferneuerung, die Kläranlagensanierung und die Erschließung Wolfsberg."
Als Zaich ging, stellte der damalige stellvertretende Parlamentschef Ortwin Lempert (CDU) respektvoll fest, dass sich heute (1993) die Bürger Nauheims mit ihrer Gemeinde identifizieren könnten.
Zaich selbst zog unter dem Eindruck des Streits um den Klärbeitrag in seiner Abschiedsrede eine eher kritische Bilanz. Er bescheinigte den Bürgern eine „Akzeptanzkrise“ und bedauerte das fehlende Zusammengehörigkeitsgefühl.
Während seines Ruhestandes entwickelte sich die Krankheit Multiple Sklerose immer stärker, sodass er an einen Elektrorollstuhl gebunden war. Er verstarb am 14. August 2026 im 83. Lebensjahr.
Quelle: Nauheim-Online - Autor: Rainer Beutel