Martin Luther vor 500 Jahren durch Nauheim

 Jakobskapelle


Das Jahr 2021 ist ein bedeutendes Jahr für die evangelischen Christen, aber auch für die Anlieger an der Pilger- und Wanderroute „Lutherweg 1521". Vor 500 Jahren bekam der Reformator und Theologe Dr. Martin Luther (
* 10.11.1483  † 18.2.1546) von Kaiser Karl V. die Aufforderung, sich zum Reichstag in Worms einzufinden und seine Thesen zu widerrufen. Luther machte sich mit Gefolge und Rollwagen am 2. April 1521 von Wittenberg/Thüringen durch Hessen nach Worms/Rheinland-Pfalz auf den Weg.

In einem schmalen Korridor, der sich an der Route Martin Luthers von 1521 orientiert, zieht sich der „Lutherweg 1521" quer durch Hessen. In Hessen hat er eine Länge von 320 km. Aufgrund von zahlreichen Flurbereinigungen und Veränderungen im Verkehrswegenetz in den letzten fünf Jahrhunderten ist es heute nicht möglich, die Originalreiseroute Luthers aus dem Jahre 1521 auf der Originalstrecke als Pilgerweg einzurichten. Um die Authentizität der Reiseroute Luthers zu wahren, wird es für zulässig erachtet, die Route auch auf neuzeitlichen Wander- oder Wirtschafswegen durch Wald und Flur in einem sog. Richtungskorridor einzurichten. Es war nicht beabsichtigt, eine vollkommen neue Pilger-Wanderweg-Strecke zu schaffen, sondern vorhandene gut begehbare Wanderwege zu nutzen, die auch für Radfahrer geeignet sind. Durch das „Hessische" nutzte Luther die wichtige Handelsstraße "Durch die kurzen Hessen", die von Leipzig nach Frankfurt/M verläuft.

Auf dem Hinweg nahm Luther am 14.4.1521 in Frankfurt in der Herberge „Zum Strauß“ am Kornmarkt Quartier. Er wählte eine Route mit wenig Überquerungen von Bächen und ungefährdet durch das Frühjahrshochwasser. Der frühere mittelalterliche Fernweg zwischen den Pfalzen Frankfurt und Trebur, der früheren Königspfalz, könnte der Weg gewesen sein. Anzumerken ist, dass der heutige „Lutherweg 1521“ weitgehend nicht mit der von Luther genutzten Originalroute übereinstimmt. Am 15.4. überquerte er den Rhein bei Oppenheim und übernachtete dort in der Herberge „Zur Kanne“. Am 17. April 1521 stand Luther vor Kaiser Karl V. und dem Reichstag zu Worms, wurde vor den im dortigen Bischofshof versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könne, lehnte er trotzdem ab. Auf dem Rückweg war er am 26.4.1521 in Oppenheim, einen Tag später wieder in Frankfurt, von wo er weiter heimwärts zog. Am 2. Mai kam er nach Eisenach zurück und wurde von seinem Gönner und Befürworter, Kurfürst Friedrich der Weise, in Schutzhaft genommen und auf die Wartburg verbannt.

Die Nauheimer Kirche, erbaut 1753 nach Plänen von Superintendand Johann-Konrad Lichtenberg und der Ausführung von Baudirektor Müller, existierte damals natürlich noch nicht. Aber nun führt der „Lutherweg 1521" an ihr vorbei und durch den ganzen heutigen Ort Nauheim. Die in der damaligen Zeit in Nauheim lebenden etwa 130 bis 150 gut katholischen Einwohner, nach Mainz ausgerichtet, wurden protestantisch. Der Ort mit weniger als 20 Gebäuden, beschränkte sich auf die Fläche um Vorderstraße und Hintergasse und die Kirche, die Jakobskirche, war weit vor dem Ort. Luther wird mit seinen Begleitern, von Alt-Königstädten kommend, wo er an der dortigen Kirche gesprochen haben soll, auf möglichst direktem Weg an Nauheim vorbei nach Trebur gereist sein. An der Nauheimer Jakobskirche, gelegen in den Gewannen  ‚Vor der Kirche’ und ‚Unter der Kirche’ beidseits an der heutigen Bahnhofstraße vor der Bahnlinie, wird er nicht einmal einen Halt eingelegt haben. Den Schwarzbach drei Mal überquert zu haben, so wie die heutige Route verläuft, ist ebenfalls auszuschließen.

Warum lag die kleine Jakobskirche so weit vor den Behausungen? Der Rüsselsheimer Historiker Professor Dr. Ernst E. Metzner vermutet an dieser Stelle die frühere Siedlung Askmuntesheim, benannt nach einem Keltenfürsten namens Askmund. Aus unbekannten Gründen wurde die Siedlung aufgegeben und in der Nähe der neue Ort besiedelt, nämlich unser Nauheim. Das verschwundene Kirchlein mag mit dem Aufkommen der Jakobsverehrung und der Pilgerwege nach Santiago de Compostela im 9. oder 10. Jahrhundert entstanden sein. Diese Kirche lag ca. 25 km von Frankfurt entfernt, also eine Tagesreise für damalige Pilger auf der genannten Ferntrasse, dem „Jakobs-Weg“, der aber heute über Mainz verläuft.

Die durch Südhessen und auch Nauheim verlaufende Wander- und Pilgerroute „Lutherweg 1521" mag in diesem Jubiläumsjahr häufig von Einzelpersonen oder Gruppen begangen werden, um dadurch auch die heutige Musikgemeinde Nauheim noch populärer zu machen.


Quellen: Nauheimer Chronik I, Unterlagen Prof. Dr. E.E. Metzner (1997)


Museums-Homepage         Lutherweg durch Nauheim