Jüdische  Mitbürger in Nauheim

 


 

Am 9. November 2008, dem  "Schicksalstag"  der Deutschen, enthüllte die Gemeinde Nauheim an der Hofmauer des Historischen Rathauses in der Hintergasse eine bronzene Gedenktafel mit den Namen der jüdischen Nauheimer Mitbürger, die während der Zeit des Dritten Reiches deportiert und ermordet wurden. An diesem Tag jährte sich die Reichspogromnacht zum 70. Mal.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Bürgermeister Ingo Waltz, der in seiner  Ansprache  diesen besonderen Tag beleuchtete. Die Nauheimer Pfarrer, Birgit Schlegel und Christof Mulach, trugen Leben und Leiden der jüdischen Nauheimer Mitbürger im "Dritten Reich" vor. 

 


Enthüllung der Tafel durch Gemeindevertretervorsteher
Reinhard Laun und Bürgermeister Ingo Waltz


Pfarrer Christof Mulach und Pfarrerin Birgit Schlegel gedachten der Toten


Reichlich Besucher fanden sich in der Hintergasse ein    
 

 
Anbringen von Tafeln am Wohnhaus Hintergasse 2 . . .

 
 . . . und Nr. 25 durch Lothar Walbrecht mit Sohn


  Wohnhaus Waldstraße 10 im Sommer 2008

Eine der bekanntesten jüdischen Nauheimer Familien war die Familie Marx. Siegfried und seine Frau Sophie wohnten mit ihren Kindern in der Waldstraße 10. Siegfried Marx nahm sich am 6. Mai 1933 in Frankfurt das Leben. Nach dem Tod ihres Mannes führte Frau Marx das "Manufaktur-, Weiß- und Wollwarengeschäft" in Nauheim weiter. Es ging der Familie zu dieser Zeit aber bereits wirtschaftlich sehr schlecht, da die Nazi-Behörden den Kontakt und die Unterstützung von Juden verboten hatten. Das Marx-Haus in der Waldstraße wurde 1936 versteigert. Sophie Marx zog deshalb nach Mainz zu ihrem Sohn Otto.

    

Wohnhaus Hintergasse 2
Das Fachwerkhaus Hintergasse 2 wurde im Jahre 1776 erbaut und um 1900 um einen Anbau erweitert. In diesem Haus lebte Ende des 19. Jahrhunderts die jüdische Familie Elias Marx. Nach der Trennung der Nauheimer Juden von der Groß-Gerauer Gemeinde nutzen die jüdischen Gläubigen bis 1906 die Wohnstube im Haus Hintergasse 2 als Betraum. 1906 meldete die Witwe des 1898 verstorbenen Ellas Marx Eigenbedarf an. Für sich und ihre verheiratete Tochter baute sie 1907 den heute noch erkennbaren Laden im Erdgeschoss des Hauses ein. Die Jüdische Gemeinde zog daraufhin in das Haus Hintergasse 25 um. Das Fachwerk des giebelständigen zweigeschossigen Hauses ist gut erhalten, mit einer Mannfigur im Obergeschoss und profilierten Schwellen. Das Satteldach hat Aufschieblinge und war im Original mit Biberschwanz gedeckt. Zwischen dem Wohnhaus Hintergasse 2 und dem Rathaus stand wahrscheinlich schon vor dem Dreißigjährigen Krieg die Gemeindeschmiede
 

 Im Haus Hintergasse 25 war die ehemalige Synagoge (re.)

Das Wohnhaus, dessen erster Kauf für das Jahr 1782 belegt ist, gehörte um 1900 dem Nauheimer Vieh- und Getreidehändler Levi Haas. Nachdem die Gemeinde ihren Betraum im  Hause der Witwe Elias Marx in der Hintergasse 2 hatte aufgeben müssen, bot Levi Haas der israelitischen Gemeinde 1907 an, im ersten Stock seines Hauses einen Betsaal einzurichten, unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde den Umbau in Höhe von 225 Mark selbst finanzierte. Von der Einrichtung des Betraumes bis zu seinem Tod 1908 war Levi Haas Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Die restlichen Räume wurden weiter als wohnraum genutzt. Das Haus wird heute wieder als reines Wohnhaus genutzt.

 

  


Heimat- und Museumsverein Nauheim     Der 9. November in der Deutschen Geschichte          Leseprobe aus der Dokumentation von K.-H. Pilz